Rezept für eine Revolution?

Mein Kollege Milan hat auf seinem Blog “Der Blickwinkel-Blog” einen neuen Post mit dem Titel “Rezept für eine Revolution”.

Ich habe an dem Artikel vermisst, dass es vor Allem Studenten und Jugendliche waren die die Revolten gestartet haben, und in meinem Kommentar bezweifelt, dass die hiesige Jugend die gleiche Entschlossenheit aufbringen würde.
Draufhin ist eine recht interessante Diskussion entstanden, die ich sehr gerne hier wiedergeben würde.

Kommentare zu “Rezept für eine Revolution”:

Georg Hausmann
22. März 2011 um 9:33 pm

Krass zusammengeschrumpft mal so ausgedrückt:
Wo die Führung nicht aufpasst:
1) „Ubi bene ibi patria“ vernachlässigt.
2) Vertrauen zu den „Untertanen“ vernachlässigt.
3) Zusammenarbeit vernachlässigt.
4) Wertewandel vernachlässigt.
5) Entgegenkommen vernachlässigt.

Man könnte all dies wiederum zusammenschrumpfen auf ein Thema, das die gesamte Geschichte durchzieht:
A) Die Sehnsüchte der Menschen vernachlässigen.

Dies findet sich deutlich ausgedrückt bei Jean Ziegler, „Der Hass auf den Westen“ (ein falscher Titel, aber so ist nun mal das Verlagswesen), oder Stephane Hessel „Indignez Vous“. Und tausende andere, oft Aussteiger aus dem unmenschlichen System, in welchem potente Minderheiten es fertigbringen, die breite Masse mit „Brot und Spielen“ usw. zufriedenzustellen.
Und so stehen wir, MilaninKöln, eine Kindergärtnerin und ein alter Physiker an einer Ampel gegenüber dem Moschee-Neubau. Wir sehen die Manifestation der Träume der Menschen in diesem wunderbaren Gebäude, dessen Schönheit man im Rohbau nur erahnen kann.
Hier sind WIR die „demokratische“ Herrschaft. Hier müssen WIR sorgen für:
1) „Ubi bene ibi patria“ .
2) Vertrauen zu den „Untertanen“.
3) Zusammenarbeit.
4) Wertewandel berücksichtigen.
5) Entgegenkommen.
Kurzum:
A) Die Sehnsüchte der Menschen hören.

Zuhören. Ernst nehmen.
Gruss GH.

 

ThiloP
22. März 2011 um 9:36 pm

Vll. noch zu erwähnen….Es sind in allen Ländern größtenteils eine idealistische Jugend die es wagt zu revoluzern. Mag sein dass jetzt alle Bevölkerungsgruppen mitmachen, aber es waren zuerst die Studenten und andere „Jugendliche“ die keine Zukunft sahen.

Das Pondon zu Hörsaalbesetzern und der linken Szene…die wir selbstverständlich stets unterstützt haben! (not)
Aber wir haben auch keine gemeinsamen Werte…

Wer fängt mit mir an Steine zu werfen, wenn die Regierung (aus Fake-Doktoranden) weiterhin paralysiert sabbernd in der Ecke sitzt?

Georg Hausmann
22. März 2011 um 10:36 pm

Lieber ThiloP,
Sie sind noch jung, Ihnen kann es nicht schnell genug gehen. Dennoch brauchen Sie die Steine nicht selbst zu werfen. Haben Sie ein wenig Geduld und schauen zu, wie diese Personen sich selbst gegenseitig steinigen werden. Warum sollten wir dies für diese übernehmen, die können das viel besser und gründlicher.
Ihre Gedanken sind stärker als Steine es sind. Widersprechen Sie einfach dem „Mainstream“ der Gedankenlosigkeit. Überall. Sie haben noch viel Zeit dazu. Sie sind jung, Sie werden sehen, es wirkt!

ThiloP
27. März 2011 um 2:22 pm

Lieber GH,

Danke für die Antwort.
Natürlich werde ich keine Steine werfen.

Es war lediglich eine Provokation. Ein zynischer Hinweis darauf, dass der größte Teil unserer aktuelle Wohlstandsjugend, vielleicht aus Sättigung, vielleicht aus reiner Konformität, in guter alter Spießbürgermanier NIE einen Stein in die Hand nimmt, oder anders gesagt: dem „Mainstream“ der Gedankenlosigkeit (sehr gut ausgedrückt!) nicht widerspricht!

Und das ist leider weniger eine Beschuldigung, als ein Selbsterkenntnis.
Bei Begegnungen mit „Attac“ und „Der Linken“ oder dem rechten Pendant (also alle „Steinewerfer“), mit ihren lächerlichen Systemforderungen, kann auch ich nur bemitleidend schmunzeln.
Ich ziehe dann den Krawattenknoten noch ein bisschen enger, und lass sie reden. Eine Diskussion würde sowieso nur im dialektischen Zirkelschluss enden.

Zur Passivität kommt dann noch der Brain Drain. „Ubi bene ibi patria“ war nie präsenter. Denn zuviele Menschen die potent genug wären bei nötigen Veränderungen mitzuwirken, verlassen das Land. Woanders geht es ihnen wohl besser. Emigration statt Revolution.

Und so hungert eine noch demokratische Mehrheit ab. Die ideelen Steine prasseln aus den Rändern auf die Mitte nieder.

Und hier sehr geehrter Herr Hausmann weichen unsere Meinungen ab: In der vorgeschobenen christlichen Tugend hält die Mehrheit auch bedacht die andere Wange hin.
Wir werden Zeuge wie die noch demokratische Mehrheit von einer impotenten und inkompetenten Minderheit gesteinigt wird, wenn sie sich nicht sogar untereinander steinigt. Die Gewinner sind die Extremen.

Diese leisten per se keinen politischen Ergebnisbeitrag (Einen größeren/besseren Kuchen backen), sondern versteifen sich auf unkonstruktive Kritik (der Kuchen schmecke nicht. Wieso kann man nicht sagen. Man selbst hätte aber Alles anders gemacht) und Verteilungsfragen (wer bekommt wie viel/was vom Kuchen).
Letztere werden auf dem Niveau des kindlichen „My Germs“ * geregelt.

Aber wie gesagt, die demokratische Mehrheit nimmt das hin.
Demokratische Mehrheit – das ist „Mainstream“.
Wir werfen keine Steine, und Leserbriefe schreiben wir auch nicht. Eine Horde Universitätsabsolventen die mehr über Paris Hilton als über Arthur Schopenhauer wissen.

Und das ist Schade. Denn es sind gerade die „mittleren Werte“ wie unter anderem Bildung, die dieses Land zu dem gemacht haben was es ist – einem Land in dem es dem Menschen in eigentlich jeder Hinsicht gut geht. Weil man eben auch eine Moschee bauen darf, wenn man eine braucht.

Gerade die Zusammenarbeit unter ein und dem selben Wertekatalog sehe ich bei der hiesigen demokratischen Mehrheit nicht.
Aber das ist wohl der Fluch der Mitte. Sie ist nicht ideell genug dass sich Leute unter einer Fahne sammeln könnten. Gleichzeitig zu intellektuell, sodass Zweifel entschlossenes Vorgehen verhindern.

Es ist meiner Meinung nach auch eher das Motto „Ubi libertas ibi patria“ unter dem die jetzigen Regime gestürzt werden. Der Wohlstand der Ägypter und Tunesier wird sich mit der Demokratisierung nicht so schnell ändern.

Vielleicht aber das Wohlsein durch eine subjektiv wahrgenommen höhere Freiheit oder Gerechtigkeit? Ich weiß es nicht…

Aber wir richten gespannt unseren Blick nach Asien…
Dort in einem fernen Land scheinen es wieder die Studenten zu sein, die zaghaft für Veränderungen einstehen, und bereits dafür schnell einsitzen.

Und mit dem geduldig sein/ passiv sein ist das immer so eine Sache. Die Dinge werden sich schon regeln….

„In the long run I’m confident that our capital markets are flexible and resilient and can deal with these adjustments.“- G.W. Bush zur Begründung warum Lehmann Brothers nicht gerettet werden sollte.

„Den Mann gibt es gar nicht; er ist nur der Lärm, den er verursacht.“ – Kurt Tucholsky über Adolf Hitler.

Im Nachhinein ist es ja immer so offensichtlich dass man handeln müssen hätte.

Ich übertreibe und provoziere hier ganz bewusst. Es sind auf ihre Art extreme Meinungen die ich darstelle. Auf einen gemäßigten Kommentar, würde mir keiner antworten.

Vielen Dank!

* „My Germs“ = engl. meine Bakterien. Der typische Ausruf von Kindern die durch das stecken ihrer abgeschleckten Finger in Nahrungsmittel einen Besitzanspruch auf diese geltend machen wollen.

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The art of the start

Toller Vortrag über den Weg zum Unternehmertum

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Halbbildung – Die Stunde der Idioten

Beim durchforsten des Archivs des Wirtschaftsmagazin “brandeins” bin ich auf einen netten Artikel über Bildung gestoßen. Selbst kein Fan der Begriffsdefinition wie sie einem in Schulen und anderen sog. “Bildungseinrichtungen” suggeriert wird, spricht mir der Artikel teils aus der Seele. Neben seinem provokanten Stil (den ich schätze) legt der Artikel seinen Finger in die klaffenden Wunden, sei es die Fachidiotie, Pseudo-Bildung oder schlichtweg die Dummheit.

Ein Auszug:

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2 Kommentare

Zum nachdenken – Aus Klaus Werle “Die Perfektionierer”

Ein Auszug aus dem oben genannten Buch, über das sinnlose Rat-Race der lückenlosen Selbst-Optimierung:

Hier sind wir bei einem Grundproblem des Strebens nach Optimierung angelangt: Nichts ist falsch daran, in einer Sache besser werden zu wollen, im Gegenteil. Problematisch wird es, wenn die Optimierung sich an Vorgaben von außen orientiert, sei es an idealen Karrieremustern im Job, sei es an Vorstellungen, was ein Kind wann zu können habe, sei es das “perfekte Dinner” oder die ideale Ehefrau. Wer sich ständig abstrampelt, um externen Anforderungen zu genügen, der verzettelt sich und übersieht vor lauter Perfektionierung die Dinge, in denen er wirklich gut ist und bei denen sich Optimierung tatsächlich lohnen würde. Es ist wie mit den (…) Turbostudenten (…): Manisch arbeiten sie die Liste vermeintlicher Schlüsselqualifikationen und Erwartungen der Wirtschaft ab. Darüber werden sie nicht nur ununterscheidbar und heben sich nicht mehr aus der Masse der Mitbewerber ab (was ja ursprünglich der Sinn der Optimierung war). Sie verpassen es auch herauszufinden, wo ihre Stärken liegen, mit denen sie wirklich außergewöhnlich und besser als andere sind.

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Buchkritik – Die Kunst der Selbstführung

Vor bereits über einem Jahr hat mir Herr Bensmann eine Ausgabe seines Buches zukommen lassen.

Mit deutlicher Verspätung, aber mit der Absicht mein Versprechen besser spät als nie einzulösen, werde ich also im folgenden meine Erfahrungen teilen.

Was mir sehr gut gefallen hat, ist der ganzheitliche Ansatz. Mir ist kein anderes Buch bekannt was die Thematik Selbstführung in seinem ganzen Spektrum behandelt. Dabei wird zwar nicht zu sehr in die Tiefe gegangen, aber das ist auch nicht notwendig. Auch sehr gut gefallen mir die Empfehlungen für die vertiefende Literatur am Ende jedes Kapitels. Herr Bensmann ist durchgehend rational und fällt nicht der Versuchung zum Opfer ins esoterische abzuschweifen, oder noch peinlicher, seine eigene Lebensweisheiten zu propagieren. Als Referenz dienen Ihm lediglich weitere Literatur, sowie Interviews mit mehreren Führungskräften aus der Wirtschaft.
Durch die Pluralität entsteht dabei  eine recht objektive Ansicht bzw. Quintessenz, wie sie viele Bücher dieses Genre missen lassen.

Da es das erste Buch des Autors ist, kann man auch über den ein oder anderen „holprigen“ Übergang oder stockende Passage hinwegsehen.

Im Ganzen habe ich das Buch gerne gelesen, und Leuten die einen sachlichen Gesamteindruck von diesem Thema haben wollen empfehlen. Den Blog von Herrn Bensmann findet ihr hier.

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Geständnis

OK. Ich muss gestehen.

Seit knapp über einem Jahr hab ich keinen Eintrag mehr geschrieben. Nicht grad die feine Art.

In diesem einen Jahr ist mir allerdings so einiges bewusst geworden. Ich habe fast ausschließlich über „Self-Management” gepostet , also letzten Endes nichts anderes gemacht als die zurecht belächelten Selbsthilfe-Ratgeber, deren Teils abstruse bis ins esoterische abwandernde Begründungen jeden skeptisch werden lassen, der noch ein Fünkchen Ratio in sich trägt. Den Rest des Beitrags lesen »

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Rat Race – mit 1,3 Mrd. Chinesen

Nach 3 Wochen China melde ich mich mal wieder zurück mit einem neuen Eintrag. Tut mir Leid dass ich euch so lange hab warten lassen.

Harder, Better, Faster, Stronger – nicht nur Kanye West nutzt die Wörter in einem seiner Songs. Sie ist oft die Lebenseinstellung von jungen, talentierten und vor allem ambitionierten Menschen. Ein Doppelabschluss soll es sein. Unter „eins komma“ einen Kurs ablegen? Geht gar nicht! Man will schließlich nicht als „Minderleister“ abgestempelt werden. Freizeit und Freunde? Überbewertet! Letztere kommen mit dem Erfolg sowieso von alleine. Den Rest des Beitrags lesen »

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