Beim durchforsten des Archivs des Wirtschaftsmagazin “brandeins” bin ich auf einen netten Artikel über Bildung gestoßen. Selbst kein Fan der Begriffsdefinition wie sie einem in Schulen und anderen sog. “Bildungseinrichtungen” suggeriert wird, spricht mir der Artikel teils aus der Seele. Neben seinem provokanten Stil (den ich schätze) legt der Artikel seinen Finger in die klaffenden Wunden, sei es die Fachidiotie, Pseudo-Bildung oder schlichtweg die Dummheit.
Ein Auszug:
Halbbildung ist nun das, was Adorno bei den meisten dieser neuen Klasse feststellt: eine Zusatzausstattung, die zum Fachwissen dazukommt. Ein Fachidiot mit etwas Bildung also, genauer gesagt jemand, der den sogenannten Bildungskanon beherrscht. Bildungskanon, das klingt toll, ist aber nicht viel. Tatsächlich ist darunter nicht mehr und nicht weniger zu verstehen als das Notwendigste, das man zum sozialen Überleben in einer Kultur braucht, ohne dass man als Vollidiot gilt. Diese Halbbildung wird nie kritisch hinterfragt. Man tut, was alle tun. Wie weit es damit steht, kann man überall sehen: Was Fernsehmoderatoren, Models und Schauspieler tragen, will man auch haben; schick ist, was die haben, die man kennt. Man liest, was in der “Spiegel”-Bestseller-Liste steht. Das ist alles nicht viel, es ist Nachahmung, reproduzierter Geschmack, kopierte Bildung, die man sich aneignet. Aber immerhin: Man tut wenigstens noch so, als ob. Ein Blick auf die populäre Medienkultur zeigt, dass das von gestern ist. Heute lernt das Privatfernseh-Prekariat beim “Perfekten Promi Dinner” noch nicht einmal, wozu ein Besteck nützlich sein könnte. Und Applaus ist allen sicher, die ihre Beschränktheit öffentlich zelebrieren.
(…)
Der amerikanische Pädagoge John Taylor Gatto hat die Gründe für den Siegeszug dieses Modells im Industrialismus so beschrieben: Das System ziele darauf ab, “mittelmäßige Geistesschärfe zu produzieren, um das innere Leben zu verkrüppeln, um den Schülern nennenswerte Führungsqualitäten zu verweigern und um fügsame und unvollendete Bürger zu garantieren”, kurz und gut, “um das gemeine Volk , kontrollierbar’ zu machen”. Man kann sich bis heute im Land überall davon überzeugen, wie erfolgreich das System war und ist.
Den vollständigen Text gibt es hier.
#1 von Chris am 3 Januar, 2011 - 12:04 am
Brandeins ist miner Meinung nach die Beste Wirtschaftszeitung die es in der Bundesrepublik gibt. Jede Ausgabe wird nur einem bestimmten Thema gewidmet. In einem Jahr bekommt man dann sehr viele Informationen und tiefgründliches Verständnis von verschiedenen Themen.
Bei mir an der Uni-Siegen gibt es einen Prof. der sowas nicht direkt Dummheit nennt sondern “Schein-Bildng” wenn man nur auf Scheine studiert. Finde ich genial